ca. 1048
Kaufleute aus der italienischen Stadt Amalfi gründen ein Hospiz zur Versorgung von Pilgern in Jerusalem.

1099
Ritter des 1. Kreuzzuges unter Gottfried von Bouillion erobern blutig Jerusalem. Sie treffen dort auf das mittlerweile von Bruder Gerhard geleitete und dem Hl. Johannes dem Täufer geweihte Hospital. Viele Ritter des Kreuzzuges schließen sich der Bruderschaft an und weihen ihr Leben dem Dienst an den Kranken.

1113
Papst Paschalis II. bestätigt die Umwandlung eines Teiles der Laienbruderschaft in einen religiösen Orden. Schnell werden weitere Hospize auf dem Pilgerweg gegründet. Zum Krankendienst tritt nun der Waffendienst. Der bis heute unverändert gültige Wahlspruch des Ordens wird formuliert:
„Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum“.
Der Orden erfreut sich einer außerordentlichen Popularität im christlichen Abendland und erhält Unmengen von Schenkungen: Binnen weniger Jahrzehnte gibt es hunderte Niederlassungen des Ordens in vielen Ländern Europas. Der Orden wird in acht sogenannte Zungen gegliedert. Die Deutsche Zunge umfasst die Großpriorate Deutschland, Böhmen, Dakien (Skandinavien), Ungarn und Polen.

1206
Aufgrund der Besetzung Jerusalems durch Sultan Saladin wird der Sitz des Großmeisters nach Akkon verlegt.
1291
Nach dem endgültigen Verlust des Hl. Landes flüchten die wenigen überlebenden Johanniter nach Limassol/Zypern.
1306 – 1522
Der Orden erhält durch den Papst die Erlaubnis, die griechisch-orthodoxe Bevölkerung von Rhodos zu überfallen und die Insel zu okkupieren. Nach der Besetzung nimmt der Orden seinen Sitz auf Rhodos (1310). Es entsteht ein souveräner Staat. Die Johanniter werden seitdem auch Rhodiser- Ritter genannt. Der Staat unterhält eine eigene militärische Flotte, die als Elitetruppe auf christlicher Seite bei vielen Seeschlachten gegen das osmanische Reich fungiert. Gleichzeitig bekämpft der Orden die muslimische Piraterie und unternimmt seinerseits regelmäßige Kaperfahrten gegen muslimische Handelsschiffe. Rhodos wird zum christlichen Bollwerk gegenüber dem türkischen Weltreich.

1530
Der aus Rhodos vertriebene, heimatlos gewordene Orden wird von Kaiser Karl V. mit der strategisch wichtigen Insel Malta belehnt. Die Ritter befestigen und entwickeln Malta und führen auch dort Krankenpflege und Kriegsdienst weiter.

1538
In der Reformation werden die Ritter der Balley Brandenburg, die schon 1382 im sogenannten Heimbacher Vergleich weitgehende Autonomie im Großpriorat Deutschland erhalten hatten, fast geschlossen protestantisch. Sie begeben sich unter den Schutz des Markgrafen von Brandenburg und lösen sich damit de facto vom katholisch gebliebenen Orden. Die ritterliche Verbundenheit zum Großpriorat und zur Ordensregierung bleibt jedoch bestehen. Während für die Mitglieder des katholischen Gesamtordens der Name Malteser Ritter üblich wird, behalten die Ritter der evangelisch gewordenen Balley Brandenburg den Namen Johanniter-Ritter bei.

1565
Die viele Monate währende „Große Belagerung“ durch die zahlenmäßig weit überlegenen Türken unter Sultan Soliman dem Prächtigen können die Ritter unter schweren Blutopfern abwehren. Der fast unmöglich erscheinende Sieg der Malteser- Ritter bringt dem Orden im ganzen Abendland höchste Bewunderung ein. In der Folge erhält der Großmeister die Kardinals- und Reichsfürstenwürde.
1798
Das ausgehende 18. Jahrhundert ist von einer Periode des Niedergangs geprägt, die vor allem durch den Verlust vieler Kommenden in protestantischen Staaten, der Auflösung des französischen Großpriorates im Zuge der Französischen Revolution und der Einziehung des italienischen Ordensvermögens durch Napoleon Bonaparte verursacht wurde. 1798 nimmt dieser Malta ein und vertreibt den Orden von der Insel. Der Orden zieht sich zunächst nach Triest zurück. Obwohl Ferdinand von Hompesch als rechtmäßiger Großmeister regiert (1797-1799), wird in St. Petersburg Zar Paul I. von einer Gruppe von Ordensrittern illegitimerweise zum Ordensoberhaupt gewählt (1798-1801). Erst 1803 verfügt der Orden wieder über ein rechtmäßiges Oberhaupt. Der Ordenssitz wechselt in den folgenden Jahren mehrfach.
1811
Der König von Preußen hebt die Balley Brandenburg auf. Nachdem schon vorher die katholischen Gliederungen auf deutschem Boden untergegangen waren, geht somit nach 600 Jahren die Geschichte des deutschen Großpriorats zu Ende. In Erinnerung an die segensreiche Tätigkeit der Balley stiftet König Friedrich Wilhelm III. 1812 den „Königlich-preußischen Johanniterorden“ für Verdienste um den Staat.
1834
Offizieller Ordenssitz wird Rom. Der Status als souveränes Völkerrechtsobjekt bleibt trotz Verlust des Staatsgebietes erhalten.

1852/53
König Friedrich Wilhelm IV. restituiert den evangelischen Johanniterorden. Der Orden wird in Anlehnung an die alte Tradition umbenannt: „Balley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannes vom Spital zu Jerusalem“. Prinz Friedrich Carl von Preußen wird zum Herrenmeister gewählt.
ab 1859
Angesichts der nur noch geringen Zahl von Professrittern und der damit einhergehenden Krise des Ordens gründen katholische Adelige in Deutschland und anderen Ländern nationale Assoziationen des Malteserordens. Ihre Mitglieder sind meist verheiratete Ehren- und Devotionsritter, die keine Profess (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) ablegen, aber versprechen, nach ihren Möglichkeiten den Glauben zu bezeugen und den Armen und Kranken zu dienen. Von den Assoziationengeht die Wiederbelebung der Caritativität des Ordens aus.
1864 – 1918
Lazarettdienste der Malteser Assoziationen in verschiedenen Kriegen und Gründung erster Krankenhäuser in Deutschland.
1879
Der Malteserorden wählt nach einer Periode der Reorganisation, in der er von Statthaltern regiert wurde (1805-1879), wieder einen Großmeister. Mit der Zeit dehnt er seine caritative Tätigkeit auf außereuropäische Länder aus.
1904
Gründung einer Malteser Schwesternschaft für weltliche katholische Krankenpflegerinnen in Breslau.
1914 – 1918
Verwundetentransporte der deutschen Malteser und Johanniter insbesondere mit eigenem Lazarettzug der Schlesischen Malteser [Transport von 20.000 Verwundeten, insgesamt 140.000 km]. Ferner vor allem Errichtung und Betreuung von 48 schlesischen Reservelazaretten, darunter vier in Berlin.
1919 – 1932
Weiterführung und Neugründung von Malteser- und Johanniter-Krankenhäusern in Deutschland.
um 1938 – 1945
Behinderung der Tätigkeit beider Orden im „Dritten Reich“. Alle in Mittel- und Ostdeutschland gelegenen Ordenswerke gehen mit dem Krieg verloren. 1945 wird dem Johanniterorden von den Alliierten jegliche Aktivität untersagt. 1948 erreicht Herrenmeister Oskar Prinz von Preußen in der Westzone die Wiederzulassung.
1952
Gründung der „Johanniter-Unfallhilfe“ und „Johanniter-Schwesternschaft“ als Organisationen des „Johanniterordens“.
1953
Gründung des „Malteser Hilfsdienstes“ in Deutschland durch die „Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser Devotionsritter“ und des „Vereins der Schlesischen Malteserritter“ gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband in Köln. Mit diesen Hilfsorganisationen laden beide Orden die Bevölkerung zur Mitarbeit ein. Millionen Menschen unterstützen als Mitglieder und Spender die umfangreichen Tätigkeiten der Organisationen.
1956
Einsatz deutscher Malteser zusammen mit MHD-Helfern im Ungarnaufstand. Aus einer österreichischen Einsatzstaffel entsteht der Hilfsdienst des Großpriorates von Österreich „Malteser-Hospital-Dienst Austria“ (MHDA).
1961
Gründung des Standes der Obödienzritter (II. Stand) – Laien, die ein Gehorsamsversprechen (Promess) ablegen und für bestimmte Leitungsämter zugelassen sind. Der Malteserorden besteht zu dieser Zeit aus 39 Großprioraten, Subprioraten und nationalen Assoziationen. Er unterhält diplomatische Beziehungen zu mehr als 38 Staaten. Der Orden ist Mitglied in der „Internationalen Rot-Kreuz- Konferenz“. Auf Initiative der Schweizer Genossenschaft vereinbaren in der „Allianz von Nieder-Weisel“ die Balley Brandenburg des Johanniterordens und ihre nicht- deutschen Genossenschaften sowie der anglikanische „Order of St. John“, der niederländische und der schwedische Johanniterorden größere Zusammenarbeit.
1964
Die ehemalige britische Kolonie Malta wird unabhängig.
1979
Gründung der Malteser Jugend durch Beschluss der Bundesdelegiertenversammlung in Freiburg.
1993
Die in Deutschland bestehenden zwei Gliederungen des Malteserordens, die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Ritter und der Verein Schlesischer Malteserritter, schließen sich zur Deutschen Assoziation des Malteserordens zusammen.
2003
Der Malteser Hilfsdienst feiert in Deutschland 50-jähriges Jubiläum. Der Malteserorden beginnt, sich im Rahmen des Weltfrauentags für Frauen in Krisengebieten einzusetzen. Es werden medizinische Zentren und Einrichtungen zur Traumabewältigung in Gebieten mit Gewalt gegen Frauen errichtet.
2005
Sanitätseinsatz beim Kölner Weltjugendtag.
2008
Die Gemeinschaft junger Malteser (GjM) erhält den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens für ihr „Libanon- Projekt“.
2010
Die GjM wird mit der Goldenen Victoria für Soziales Engagement des Verbandes deutscher Zeitschriftenverleger ausgezeichnet.
ab 2015
Gründung des Malteser Integrationsdienstes als Reaktion auf die Flüchtlingskrise.
Ende 2016 und Anfang 2017
Der Konflikt zwischen dem Malteserorden und Papst Franziskus eskalierte. Die wichtigsten Ereignisse waren: Im Dezember 2016 enthob der damalige Großmeister Matthew Festing den deutschen Großkanzler Albrecht von Boeselager seines Amtes. Als Grund wurden „schwerwiegende Probleme“ während Boeselagers Zeit als Verantwortlicher für die humanitäre Hilfe des Ordens genannt, wobei die Verteilung von Kondomen eine Rolle gespielt haben soll. Boeselager wehrte sich gegen seine Amtsenthebung und der Papst schaltete sich ein, indem er eine Untersuchungskommission einsetzte. Festing widersetzte sich dieser päpstlichen Kommission und forderte die Ordensmitglieder zum Boykott auf. Am 25. Januar 2017 gab der Vatikan bekannt, dass Großmeister Matthew Festing auf Aufforderung von Papst Franziskus zurückgetreten war. Der Konflikt drehte sich vordergründig um die Verteilung von Kondomen durch Malteser International, hatte aber wohl auch tieferliegende Ursachen wie einen internen Machtkampf und Spannungen zwischen der Souveränität des Ordens und seiner Unterstellung unter den Papst.

2017
Anerkennung des Malteserordens als eigenständiges Völkerrechtssubjekt durch die Bundesrepublik Deutschland und Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen.
2019
Die Malteser in Deutschland kündigen an sich von einem Großteil ihrer Krankenhäuser zu trennen. Die Trägerschaft von sechs der acht Akutkliniken einschließlich zugehöriger Versorgungseinrichtungen wie Apotheken wird abgegeben. Der 80. Großmeister des Malteserordens, Fra’ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, besucht Deutschland und trifft unter anderem Geflüchtete sowie ehrenamtliche Helfer in Berlin und Köln. In Erinnerung an die Hilfe für DDR-Flüchtlinge in Budapest vor 30 Jahren wird eine Jubiläumsausstellung eröffnet.
2020
Am 29. April verstirbt Großmeister Fra’ Giacomo Dalla Torre im Alter von 75 Jahren in Rom. Im November wählt der Große Staatsrat Fra’ Marco Luzzago zum Statthalter des Großmeisters. Die weltweite Tätigkeit des Ordens ist massiv durch die COVID-19-Pandemie geprägt, was zur Einrichtung eines Krisenmanagements und zum Aufbau zahlreicher neuer Hilfsdienste führt. Nach der schweren Explosion im Hafen von Beirut leistet der Orden umfassende Nothilfe und beginnt mit dem Wiederaufbau medizinischer Zentren im Libanon.
2021
Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Juli leisten die Malteser den größten Einsatz ihrer Geschichte in der Bundesrepublik. Zum zehnten Jahrestag des Syrien-Krieges wird die medizinische Hilfe in der Region weiter ausgebaut. In der Führung von Malteser International erfolgt ein Generationenwechsel: Clemens Graf von Mirbach-Harff übernimmt das Amt des Generalsekretärs von Ingo Radtke.
2022
Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar startet das internationale Maltesernetzwerk eines seiner größten Hilfsprogramme für Geflüchtete und Betroffene im In- und Ausland. Der Malteser Hilfsdienst erreicht als erste große Hilfsorganisation in Deutschland bilanziell das Ziel der Klimaneutralität durch Vermeidung, Reduktion und Kompensation von Emissionen. Im Juli wird die Malteser Schwesternschaft aufgrund sinkender Mitgliederzahlen aufgelöst.
2023
Der Malteser Hilfsdienst feiert sein 70-jähriges Bestehen in Deutschland. Nach verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien sowie in Marokko und Afghanistan leisten die Malteser in allen vier betroffenen Regionen gleichzeitig lebensrettende Nothilfe. Ein neues Zukunftsmodell für den Rettungsdienst wird vorgestellt, um die Notfallversorgung krisenfest zu machen.
2024
Angesichts der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten liefert Malteser International unter hohem Risiko rund 200 Tonnen Hilfsgüter in den Gazastreifen. Ein neues vierköpfiges Executive Team übernimmt die Leitung von Malteser International, um die Organisation für wachsende globale Herausforderungen resilienter aufzustellen. In Deutschland rückt die Stärkung der Krisenresilienz und die zivil-militärische Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz verstärkt in den Fokus.
to be continued…